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Frau Abgeordnete (MdB)
Sabine Bätzing
Bundesdrogenbeauftragte
- Wahlkreisbüro - 
Bahnhofstraße 19
57518 Betzdorf




Keine frühgeborenen Kinder als Schockfotos auf Zigarettenschachteln!


Sehr geehrte Frau Bätzing!

Presseberichten der vergangenen Wochen haben wir entnommen, dass die Bundesregierung plant, die Warnhinweise auf Zigarettenschachteln mit abschreckenden Fotos zu versehen. Neben Bildern von Raucherbeinen und Tumoren ist dabei auch an Aufnahmen von frühgeborenen Kindern gedacht, die den Warnhinweis "Rauchen in der Schwangerschaft schadet Ihrem Kind!" illustrieren sollen.

Obwohl wir mit Ihnen völlig übereinstimmen, dass Rauchen in der Schwangerschaft die Gesundheit des Ungeborenen massiv beeinträchtigt und möglichst unterbunden werden sollte, möchten wir Sie dennoch eindringlich bitten, auf die bildliche Darstellung eines frühgeborenen Kindes in diesem Zusammenhang unbedingt zu verzichten. 

Wir möchten Sie darauf aufmerksam machen, dass bundesweit etwa jedes 10. Neugeborene als Frühgeborenes zur Welt kommt. Die Ursachen für eine solche Frühgeburt sind jedoch äußerst vielfältig. Intensiver Nikotingebrauch kann hierbei eine Rolle spielen, in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle führen jedoch andere Ursachen dazu, dass Familien mit dem plötzlichen Schicksal einer Frühgeburt konfrontiert werden. 

Ein solches frühgeborenes Kind ins Leben zu begleiten, das einen erschwerten Start ins Leben hatte und dessen Entwicklung noch über Jahre darunter leiden wird, stellt die betroffenen Familien oft vor immense Herausforderungen und erfordert viel Kraft. Nähere Informationen können Sie den Kinderseiten der Homepage www.fruehchen-netz.de oder den Seiten vieler Selbsthilfegruppen (z.B. www.kleinerfels.de) entnehmen.

Eine Frühgeburt pauschal als selbstverschuldet darzustellen und frühgeborene Kinder im selben Zusammenhang wie Raucherbeine und Tumore abzubilden, empfinden wir als betroffene Eltern daher wie einen zusätzlichen Schlag ins Gesicht. 

Die intensiven Bemühungen der Selbsthilfearbeit, in der Öffentlichkeit Verständnis für die besonderen Belange Frühgeborener zu wecken, würden mit dieser Aktion zunichte 
gemacht. Es würde der Eindruck erweckt, alle Frühcheneltern hätten ihren Kindern durch Rauchen in der Schwangerschaft vorsätzlich Schaden zugefügt. Zusätzlich würde die Frühgeburtlichkeit der Kinder in die Nähe bösartiger krankhafter Befunde gerückt.

Sie werden sicherlich verstehen, dass wir das für ein ganz und gar falsches Signal halten.

Darum möchten wir noch einmal eindringlich darauf hinweisen:
Es steht außer Frage, dass vor dem Rauchen in einer Schwangerschaft unbedingt gewarnt werden muss. Die Fotos von frühgeborenen Kindern sind für einen solchen abschreckenden Warnhinweis jedoch denkbar ungeeignet.


Mit freundlichen Grüßen